schriftstehler

Geschichten und Gedanken

Das Tagebuch

Gehen oder bleiben

vom 30. July 2010, 16.23 Uhr

Das Tagebuch
Manchmal wünschte ich, dass ich etwas vergessen hätte, mich umdrehen und sagen könnte: „Entschuldigung, aber ich kann noch nicht gehen, ich muss noch bleiben.“ Ich muss. Mit schwerem Herzen sticht auch niemand in See, es sei denn, er will untergehen. Mit Blei in den Knochen versucht auch niemand, zu fliegen, es sei denn, er will abstürzen. Und wenn alles schmerzt, dann ergibt Frohsinn keinen Sinn, weil ja am Ende doch alles ertrinkt. Dann sind sie wieder da, die glänzenden Perlen, die sich nicht fangen lassen und... weiterlesen



Parabel mit Widerhaken

vom 29. July 2010, 12.15 Uhr

Als der Angestellte Herr Koll kurz vor dem Festessen auf der Weihnachtsfeier der Firma Hugendubel, die seit über 75 Jahren Markisen für Marktstände und kleine Einzelhandelsbetriebe herstellt, als Herr Koll also mit ruhigen Schritten und einem Blatt Papier in der Hand an das Rednerpult trat, da tuschelten die meisten der Anwesenden, einige kicherten, zwei Personen standen auf und wollten den Raum verlassen. Herr Koll hatte mittlerweile das Mikrofon erreicht, das Inhaber Bernd Hugendubel noch vor wenigen Augenblicken für seine... weiterlesen



Kleinstteilchen

vom 26. July 2010, 17.04 Uhr

Das Tagebuch

Wer mich zerlegt, lernt mich dabei auch nicht besser kennen, wenn er auf den Einzelteilen herumtritt. Zumal gar nicht sicher ist, ob diese kleinen Teilchen von mir sind. Aber, mein Freund, wenn du konsequent wärest, dann lehntest du alles ab und nähmest nicht das, was dir passte, um den Rest zu zerstören. Wenn du ehrlich wärest, dann sprächest du aus, was dich bewegte und wenn du mutig wärest, dann machte dich nicht die Masse stark, sondern du dich selbst. Wenn du das alles verstündest, dann bräuchte ich gar nicht mit dir zu... weiterlesen

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Ich nicke nur

vom 25. July 2010, 13.07 Uhr

Das Tagebuch

Es gibt dann freilich auch Tage, die ich nicht kennenlernen möchte, mich aber gegen die Bekanntschaft nicht wehren kann. Gut, diese Beziehung ist ja immer nur temporär, wir sind im Grunde genommen flüchtige Bekannte, die sich nicht einmal an den Händen halten, sondern lediglich im selben Raum sind, aber manchmal würde ich gern darauf verzichten. Bis 18 Uhr war das gestern so, da hätte ich den Tag gern ins Exil geschickt und darauf gehofft, dass im Land in meinem Kopf kein Putsch stattfindet und der Staatsfeind Nummer eins nicht... weiterlesen




Wer hat Angst vor wem?

vom 20. July 2010, 20.14 Uhr




Gewaltige Lösungen oder gewalttätige Lesungen

vom 16. July 2010, 16.30 Uhr

Das Tagebuch

Eine Welt ohne Soldaten und Waffen sei nicht praktikabel, sagte gestern ein Mann, den ich namentlich nicht erwähne. Ich hingegen bin und bleibe gegen Gewalt und ich möchte davon auch nicht abweichen. Gewalt ist keine Lösung, Waffen und Soldaten sichern keinen Frieden, davon wird mich niemand überzeugen können. Angst kann kein Mittel sein, um die Welt zu retten - und wenn es doch so sein sollte, dann bin ich enttäuscht.... weiterlesen

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Der Mann neben mir

vom 14. July 2010, 17.57 Uhr

Das Tagebuch

Irgendwie ist mir warm. Innen ja ohnehin, aber die äußeren Zellwände an der Epidermis sind das Problem. Und wenn diese ein Problem haben, dann habe ich eines. Mir ist also irgendwie warm und ich muss das ertragen, was ich nie wollte. Es ist so, als ob ich etwas essen müsste, das ich weder bestellt noch aufgefüllt habe, es ist ein wenig wie Politik und ein bisschen wie die Liebe. Beim einen umgekehrt, beim anderen genauso. Warm ist mir und ich mag es nicht, wenn mir warm wird. Ich darf mir aber zugute halten, dass ich den Sommer... weiterlesen




Glück ist vorhanden

vom 10. July 2010, 18.54 Uhr

Das Tagebuch

Telefon ist wieder vorhanden, das Internet noch nicht, aber das soll sich um Mitternacht ändern. Es ist nicht die feine Art, dass die Telekom so ein Fehlverhalten an den Tag legt und mich und die Kommunikation derart ausbremst. Im Wald noch einen Zugang zur virtuellen Welt zu finden, war kompliziert, aber es ist eben auch nichts unmöglich. Gut, die Temperaturen unter dem Dach sind unmöglich, 40 Grad sind kein Quell für Entspannung, aber ich will mich auch nicht ständig wiederholen und darauf pochen, dass nun endlich der Herbst... weiterlesen




Viel Gerede um viel Qualm

vom 05. July 2010, 18.05 Uhr

Das Tagebuch

Damals, also als Autos noch Ecken und Kanten hatten, Raider noch gar nicht existiert und Brausepulverbonbons von Frigeo für zwei Pfennig einzeln zu kaufen waren, damals war ich radikal. Ich erklärte als mannhafter, heroischer Siebenjähriger, dass ich nur noch im Auto sitzen wolle, wenn dort nicht mehr geraucht würde. Ein Umdenkprozess begann, der vor allem durch mein Mark erschütterndes Gezeter - auch den Euro gab es damals noch nicht - auf das Äußerste forciert wurde. Kurze Zeit später hörten zwei Erwachsene mit dem Rauchen... weiterlesen

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Pause

vom 28. June 2010, 15.25 Uhr

Das Tagebuch
Ich mache tatsächlich Urlaub. Nicht in der Ferne, das liegt jenseits irgendwelcher numerischer Reichweiten. Jedoch ist die Pause genau das, was ich brauche, es ist das, was mein Körper und mein Kopf forderte, es ist all das, was wichtig ist, um mich zu erholen. Zwischendurch ein paar Dinge erledigen, dann wieder in willenloser Stille sitzen und gar nicht bewegen, weder physisch noch psychisch. Im Exil geht das freilich ein wenig einfacher als im Wald, aber die Heimat hat auch unschlagbare Vorteile. Morgen Abend noch einmal auf die Bühne,... weiterlesen



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Es ist an der Zeit, die Wahrheit zu sagen, nichts zu verschweigen.“Die Wahrheit”, sagt mein Bruder, “die Wahrheit ist die beste Lüge, denn niemand wird dir glauben.” Niemand wird mir glauben, davon bin ich überzeugt, aber ich habe mir sein jenem Abend selbst versprochen, nur noch die Wahrheit zu sagen. Nichts anderes als die Wahrheit, auch wenn mir kein Gott helfen kann. (aus "Feuerbrüder")
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