Ich finde es imme sehr leicht, sich das Leben schwer zu machen. Vor allen Dingen, wenn es auf so unbedachte Weise geschieht. Zweimal in Folge zu verschlafen, das ist schon eine Kunst für sich. Vor allen Dingen dann, wenn ich jahrelang nicht verschlafen habe. Gut, es gibt imme Ausnahmen, die eine Regel unbeding bestätigen wollen und sich deshalb anders als der Rest gebärden. Beschweren will ich mich nicht, ich habe es auch heute noch geschafft, meinen Zug zu erwischen, hole den ersten, den verpassten noch ein und steige dann einfach um. Obwohl ich nicht gern umsteige, aber das lässt sich heute nun einmal nicht vermeiden, nachdem ich mit schläfrigem Kopf und müden Muskeln eine Stufe der Leiter verpasste und mich im Sturzflug von der Dachkammer in den Küche aufmachte, um dort dann eben mein verschlafenes Haupt endgültig wachzurütteln. Beulen sind eine tolle Sache, wenn sie jemand anderes hat. Am eigenen Körper sind sie in der Regel überflüssig, so wie es auch überflüssig ist, Dinge einfach zu vergessen. Ich brauche einen gepackten Rucksack, den ich einfach nur noch mitnehmen muss, ich bin so zerstreut, dass ich einige Teile von mir an Stellen wiederfinde, an denen ich nie gewesen bin. Und da bin ich mir sicher. Gut, Schluss mit dem Gejammer, ich sitze im Zug, darf ins Internet, kann noch ein wenig arbeiten und habe einen geisterhaften Hunger, der sich noch ein wenig gedulden muss, bis er gestillt wird. Bis jetzt ist es also alles gut, wenn auch ein wenig anstrengend und hektisch, aber das ist im Grunde genommen auch keine neue Erkenntnis, das ist immer so. Und das ist auch ganz in Ordnung, auch wenn bei mir sonst nicht alles ordentlich ist.
Ich freue mich schon auf heute Abend, der Aussetzer am Dienstag wegen der fernbleibenden Stimme hat mich schwer getroffen. Aber heute kommt dann die geballte Ladung und darauf freue mich in. In Heidelberg. Und morgen dann noch Bonn. Wie fein.
Ach ja, und irgendein Kabel vergesse ich auch immer. Wie immer. Alles wie immer. Und ich sitze lächelnd im Zug. Eben, wie immer.
Grüße. An das nicht normale K. und die Entscheidungsfindung, an die Cellistin und die Ruhe, an Katharina und das Schauspielhaus, an meine neue Stiefel mit den Salzrändern und an die Unendlichkeit, die eben immer dabei ist. Und irgendwann kommen sie und holen mich ab... |
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Es ist an der Zeit, die Wahrheit zu sagen, nichts zu verschweigen.“Die Wahrheit”, sagt mein Bruder, “die Wahrheit ist die beste Lüge, denn niemand wird dir glauben.” Niemand wird mir glauben, davon bin ich überzeugt, aber ich habe mir sein jenem Abend selbst versprochen, nur noch die Wahrheit zu sagen. Nichts anderes als die Wahrheit, auch wenn mir kein Gott helfen kann. (aus "Feuerbrüder")
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