Ich bin müde. Wirklich. So früh auf den Beinen, mit der Bahn auf den Gleisen unterwegs, ein kurzer Stopp in Hannover, dann geht es weiter in meine Stadt, in der ich mich zu Hause fühlen will. Viele Tage hinter mir, noch mehr Tage vor mir, großartige Menschen kennen gelernt, ins Herz geschlossen, ohne sie einsperren zu wollen. Mal gewonnen, mal verloren, aber am Ende immer als Sieger gefühlt, auch wenn Münster ein wenig seltsam verlief, weil Schulklassen eben mitunter nicht die Reife, den Einblick und die Tiefe haben, um wirklich jeden Text bei einem Poetry-Slam zu erfassen. Mein Problem ist das nicht, es ist kein Drama, sondern nur eine Eigenart der Veranstaltung, die eben unberechenbar ist und bleibt. So mag ich das. Niemals sicher fühlen, immer an der Grenze leben, die Bühne genießen und viel Spaß haben. Und dann eben so ganz nebenbei Menschen wie Wolf Hogekamp kennen lernen, der die ersten nationalen Meisterschaften organisierte und den ich im kommenden Jahr in Berlin besuchen darf. Oder Andreas Weber, der sich so sagenhaft für den Poetry-Slam organisiert. Oder Karsten Strack, der unter anderem dafür sorgt, dass die Texte der Poetry-Slammer auch druckreif werden. Oder Katja Hofmann. Oder Brian Borgwardt. Oder Fabian Navarro. Verqualmte Nächte in kleinen Zimmern, große Gedanken und Visionen aus freien Köpfen, Leben für und mit der Kunst. Viel schöner kann es kaum noch werden, aber irgendwie steigert sich alles immer weiter und sollte ich irgendwann vor Glück platzen, so hoffe ich, dass jeder ein Stück von den Fetzen zu spüren bekommt, die mich fast durchgehend lächelnd lassen. Auch wenn es draußen kalt ist. Auch wenn es manchmal hier und da kneift. Das Leben ist bunt. Für mich. Es gibt keinen Grund zum Klagen, wirklich nicht – Probleme dürfen in Zonen gelöst werden und ich lasse mich weder von Zahlen ausbremsen noch von Menschen, die durch ihre grandiose Bodenhaftung vollkommen vergessen haben, wie das Fliegen funktioniert. Guter Weg, wie ich finde. Alle anderen dürfen andere Pfade wählen, ich nehme meinen.
Heute Abend mit den Feuerbrüdern auf der Bühne im Molotow. Es gibt noch einiges zu tun, wenn ich wieder zu Hause bin. Aber auf den Abend freue ich mich schon jetzt maßlos. Wie immer. Ohne Maß ist der Mann, immer noch mehr und nie genug. Niemals satt, obzwar ich wirklich wenig esse. Was durchaus gesund sein kann. Denke ich. Und die Sonne geht auf. Noch Fragen? Nein, es ist ihr Zeuge.
Ja, Soest war wirklich schön und ich weiß heute gar nicht, warum mich alle davor gewarnt haben. Wie unberechen das Leben doch zum Glück ist.
Grüße gibt es morgen. |
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Es ist an der Zeit, die Wahrheit zu sagen, nichts zu verschweigen.“Die Wahrheit”, sagt mein Bruder, “die Wahrheit ist die beste Lüge, denn niemand wird dir glauben.” Niemand wird mir glauben, davon bin ich überzeugt, aber ich habe mir sein jenem Abend selbst versprochen, nur noch die Wahrheit zu sagen. Nichts anderes als die Wahrheit, auch wenn mir kein Gott helfen kann. (aus "Feuerbrüder")
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