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Geschichten und Gedanken




Go, Lemgo, go!
geschrieben am: Thursday, 04. March 2010, 16.50 Uhr

Das Tagebuch

Schon wieder alles vorbei. Das erste Drittel des Monats hat sich gefühlt beinahe schon verabschiedet, auch wenn es gut gemeint war. Denke ich. Die Monate meinen es ja immer gut, sie wollen nur mein Bestes - und ich gebe alles gern. Dabei gibt es auch immer Alternativen. Für alles. Statt Salz oder Splitt zu streuen, gab es im Winter auch die Möglichkeit, den Schnee einfach mit einer Schaufel oder einen Schneeschieber zu beseitigen. Gut, Salz ist bequemer, hinterlässt aber chemische Spuren im Boden und, was noch viel schlimmer ist, weiße Ränder an teuren Schuhen. Das muss niemand haben, vor allen Dingen niemand aus Hamburg. Es wurde also Splitt verwendet, weil das umweltfreundlich ist. Sehr schön. Der Schnee ist weg und der Splitt liegt auf den Gehwegen und es knirscht. Schlimm. Jetzt kämpfen angeblich die Fahrradfahrer mit spitzen Steinen und müssen ihre Reifen in Sicherheit bringen, falls nicht jemand den Splitt in Sicherheit bringt, der für teures Geld eingekauft wurde. Wo landet das Zeug eigentlich jetzt? Es hat viel Geld gekostet und wird jetzt irgendwo entsorgt? Warum gibt es da kein Recycling? Und warum werden die Gehwege nicht einfach mal schnell und kommentarlos geräumt? Weil dort keine Autos fahren. Falsch. Weil dort noch keine Autos fahren, denn der Frost hat Hamburgs Straßen in einen bemitleidenswerten Zustand versetzt, Löcher reihen sich wie Kothaufen aneinander und die vereinsamten Fahrer jammern ihren heruntergeklappten Sonnenblenden entgegen, dass alles so furchtbar ist und weichen sicher schon bald auf die Gehsteige aus, die zwar voller Splitt, aber ohne Löcher sind. Und alles wegen des Winters, den niemand wollte. Jetzt haben wir den Splitt und wieder ein unlösbares logistisches Problem: Nach dem Eis jetzt der Sand, nach der Bürokratie noch mehr Bürokratie, die sich selbst ausbremst, weil der Splitt zwischen den Zähnen knirscht. Ein paar hundert Arbeitskräfte, ein paar hundert Besen und ein paar hundert Eimer, das war es dann auch schon. Kostet Geld, keine Frage, spart aber auch Geld für den nächsten Winter, denn dieses Splitt wird nicht schlechter, es ist beim nächsten Einsatz kampferpobt und muss nicht eigens aus Mekka eingeflogen werden. Und vielleicht passt das Splitt auch in die Löcher auf den Straßen, wenn man sie danngeschickt versiegelt - wer weiß. Es gibt aber sicher kostenintensivere Lösungen, die mir nicht in den Sinn kommen, weil ich eben kein Politiker bin, weil ich mich nicht kaufen lasse und weil ich in einfachen Bahnen und kleinen Dimensionen denke. Manchmal, liebe Menschen, verwundert ihr mich mehr als die Sterne in der Nacht.

 

Ich sitze noch in Bielefeld und genieße die enorme Gastfreundschaft von Nico, dem Moderator des einen Poetry Slams in Lemgo, zum anderen reise ich kommenden Monat in den Bauch der Katze.

Im Beat Café war es wieder schön, das ist nun wirklich der Normalfall. Gemeinsam mit Tobi Kunze, Micha-El Goehre, Thomas Spitzer, Dominik Bartels, Indiana Jonas, Sven Stickling, Marcus Märtens und Lokalmatador Benne gab es ein wortreiches Spektakel voller neuer Texte und schönen Momenten im ausverkauften Rund des weitläufigen Cafés, in dem es meiner Meinung nach den besten Kakao in ganz Lemgo, ach, in ganz Ostwestfalen, och, vermutlich in der gesamten Welt gibt. Tobi gab sich zwar Mühe, das Beat Café komplett zu zerlegen, aber außer einem kippenden Mikrofonständer und einer schwingenden Deckenlampe gab es keine Auswirkungen vom Kunze-Gewitter. Der Goehre als Muse war auch ein ungewohntes Bild, das es erst einmal zu verinnerlichen gilt. Ganz sicher. Und nach Lemgo fahre ich sicher wieder hin, schon im kommenden Monat. Go, Lemgo, go! Ha.

 

Grüße. An Caro, Nico, Steffi und Karsten. An Tobi, Thomas, Micha, Sven, Benne, Jonas, Marcus und Dominik und an mich. An Lemgo und die Politessen, die gestern wohl mal Pause machten, an den Tank von Nicos Wagen, der wohl immer leer ist. Und an Spaceman Spiff, den ich immer noch im Ohr habe. Jaha, das ist schön.

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