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Geschichten und Gedanken




Gewaltige Lösungen oder gewalttätige Lesungen
geschrieben am: Friday, 16. July 2010, 16.30 Uhr

Das Tagebuch

Eine Welt ohne Soldaten und Waffen sei nicht praktikabel, sagte gestern ein Mann, den ich namentlich nicht erwähne. Ich hingegen bin und bleibe gegen Gewalt und ich möchte davon auch nicht abweichen. Gewalt ist keine Lösung, Waffen und Soldaten sichern keinen Frieden, davon wird mich niemand überzeugen können. Angst kann kein Mittel sein, um die Welt zu retten - und wenn es doch so sein sollte, dann bin ich enttäuscht. Von der Welt und von den Menschen, die daran glauben. Gewalt ist nur für diejenigen ein Mittel, denen es an Worten und Ideen fehlt, Gewalt ist etwas für diejenigen, denen es an Ruhe und Geduld sowie Gelassenheit fehlt, für mich sind Menschen, die Gewalt befürworten, in der Evolution stehen geblieben. Warum also Menschen in diesem Land einen Dienst an der Waffe leisten lassen und in ferne Länder schicken, in denen wir nichts verloren haben? Es ist für die Soldaten sicher auch kein Trost, wenn Minister von Guttenberg in Schlips und Kragen vor Ort große Töne spuckt und dann noch in der Presse erklärt, dass, wenn er noch Unteroffizier wäre, er sofort nach Afghanistan ginge. Worte, nichts als Worte, denen das Bekenntnis folgt, dass die Wehrpflicht in diesem Land ein schützenswertes Gut sei. Ich habe selten so viel Unsinn in wenigen Zeilen gelesen. Es muss wohl immer jemanden geben, der anderen sagt, was sie tun müssen, aber warum andere das Leben riskieren sollen, damit Herr zu Guttenberg und andere in die Breite gegangene und in die Jahre gekommene Menschen, die nur noch Sessel wärmen und auf Kosten anderer leben, ohne wirklich etwas zu bewegen, wird mir vermutlich niemand erklären können. Das ist aufgrund meiner mangelnden politischen Bildung und Erfahrung wohl einfach nicht nachvollziehbar, wenngleich Herr zu Guttenberg auch ohne Qualifikation es zum Wirtschaftsminister schaffte und jetzt als ehemaliger Unteroffizier immerhin als Verteidigungsminister ein erkleckliches Salär einstreicht. Wobei er freilich bei der Abschaffung der Wehrpflicht auch weitgehend arbeitslos wäre und nicht mehr in ferne Länder fligen könnte, um dort Soldaten zu sagen, was sie gar nicht hören wollen. In diesem Moment davon zu sprechen, dass "das doch alles eine große Scheiße ist, die zum Himmel stinkt", käme mir nicht in den Sinn, aber ich zitiere an dieser Stelle gern noch einmal einen nicht namentlich zu nennenden Bekannten. Freund. Was auch immer. Ein friedlicher Mensch ist er, er blieb wie ich der Waffe fern und leistet seinen Dienst für das Vaterland wie ich, indem er Steuern zahlt, statt sie zu hinterziehen. Sollte  Herr zu Guttenberg mir mal vor die Füße laufen, dann stattete ich ihn mit einem Lächeln aus, dass er nicht verstünde. Was allerdings in seiner fehlenden menschlichen Entwicklung begründet liegt, die ich ihm keinesfalls vorhalten möchte. Ich habe keine Ahnung von der Politik, er hat keine Ahnung von Menschen und ist deshalb Politiker geworden. So ergibt alles einen Sinn, ruhig schlafen kann ich deswegen aber noch lange nicht.

 

Auf dem Weg nach Ausgburg, gleichwohl ich noch ein wenig berauscht bin vom kirchlichen Slam gestern Abend in Nürnberg. Ja, das war wirklich schön, da hat Michl nicht zu viel versprochen. Richtig schön wurde es allerdings erst nach Einbruch der Dunkelheit, als die Beleuchtung voll zum Tragen kam. Schön, wirklich schön. Dabei muss ich gestehen, dass zuvor ein wenig Furcht hatte, wie das denn so unter freiem Himmel klappen würde. Mit mir. Ich mache mir einfach zu viele Gedanken. Punkt. Heute Abend ist also Augsburg dran, dann stehen noch Lindau und Siegen auf dem Programm und noch ein wenig Heimat. Bis hierhin ist also erst einmal alles schön, denke ich. Außerdem habe ich ausgerechnet, dass ich in diesem Jahr noch schuldenfrei werden kann, wenn ich noch 839 Auftritte bis zum 15. September absolviere. Das wird freilich nicht ganz einfach, zumal ich dann bis zum Jahresende noch einmal das Dreifache bewältigen muss, doch nichts ist unmöglich. Ungefähr.

 

Und irgendwann kommen sie und holen mich ab...

423 mal gelesen | - Alle Beiträge - Das Archiv



Kommentare

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Autor: Joachim
23. Jul 2010
Chapeau!
ein wenig albern.
pauschalpazifismus ist nicht weniger dämlich als militarismus.
und man sollte meinen, dass die menschen mit dem alter weniger naiv werden.
die deutsche außenpolitik mag ja verfehlt sein, aber es gibt noch mehr in der welt als deutschland und afghanistan.

ich ziehe den hut vor solcher blauäugigkeit.

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